Hidden Championnes

Serie III

Gezeichnete Portraits von bedeutenden Frauen der Geschichte und der Gegenwart

Gezeichnete Frauen

1. Frau beim Boston Marathon

Bobbi Gibb
(*1942)

1966 wollte Bobbi Gibb den Boston Marathon laufen. Die Absage kam prompt: Frauen seien „physiologisch nicht fähig" einen Marathon zu laufen. Also versteckte sich Gibb im Gebüsch neben der Startzone, sprang ins Läuferfeld und lief los – 3 Stunden 21 Minuten später erreichte sie das Ziel, schneller als zwei Drittel der Männer. Sie hat es einfach gemacht. Dennoch wurde ihre Teilnahme erst ein paar Jahre später honoriert. Die Tuschezeichnung ist nach einem Foto von 1966 entstanden, das sie nach dem absolvierten Lauf zeigt.

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Die Scham muss die Seite wechseln

Gisèle Pelicot
(*1952)

Sie verlangte, dass der Gerichtsprozess gegen ihren Mann und 50 weitere angeklagte Männer öffentlich geführt werde, und begründete dies: "Die Scham muss die Seite wechseln." (La honte doit changer de champ.)

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Investigativjournalistin

Nellie Bly
(1864-1922)

Mutig und unbeirrbar in Sachen Aufklärung: Nellie Bly täuschte eine Nervenkrankheit vor, um undercover in einer psychiatrischen Klinik zu recherchieren (damals: „Irrenanstalt"). Zehn Tage hielt Nellie Bly die brutalen Zustände in der Klinik aus. Ihre Reportage „Ten Days in a Mad-House" machte sie berühmt, führte zu einer Untersuchung der Klinik und brachte deutlich höhere Mittel für die Versorgung psychisch Kranker. Bly gilt als Wegbereiterin des modernen Investigativjournalismus.

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Bestseller-Autorin

Christine de Pizan
(c.1365-1430)

Pizan war eine Autorin des Mittelalters, die in ganz Europa gelesen wurde. In ihrem letzen Lebensjahr verfasste sie eine Ode an Jeanne D'Arc, die Jungfrau von Orleans, deren historische Bedeutung sie als erste erkannte. Christine ist die einzige Person, die Jeannes Leistung schon feiert, als Jeanne noch lebte. Die Tuschezeichnung zeigt Christine de Pizan in ihrer typischen Witwentracht (mit der Haube, genannt Hennin), wie sie die Ode an Jeanne gerade verfasst.

Der Text auf der Zeichnung ist ein Auszug aus den Originalversen: "Wenn wir uns deine Person vor Augen führen, dich, eine junge Maid, der Gott die Kraft und Macht verleiht, jene Heldin zu sein, die die Aufrührer niederwirft und Frankreich mit der süßen, nährenden Milch des Friedens speist – wahrlich, hier zeigt sich etwas ganz und gar Außergewöhnliches!"

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Erfinderin & Unternehmerin

Josephine Cochrane
(1839-1913)

Sie erfand die erste funktionierende Spülmaschine, die sie 1886 patentieren ließ. Mit viel Geschäftssinn fand sie erste Abnehmer unter Gastronomen und Hoteliers. Konsequent baute sie ihr eigenes Unternehmen auf, verbesserte das Produkt, erhielt weitere Patente und leitete ihr Unternehmen bis zu ihrem Tod.

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Weltreise-Rekordhalterin

Nellie Bly
(1864-1922)

1888 hatte Nellie Bly eine Idee: Sie wollte die Welt in weniger als 80 Tagen umrunden – und damit den fiktiven Rekord aus Jules Vernes Roman „In 80 Tagen um die Welt" in die Realität holen. Die US-Investigativjournalistin war schon vorher spektakulär mit einer Recherche in einer psychiatrischen Klinik aufgefallen. Doch ihr Verleger war trotzdem skeptisch. Eine Frau? Unmöglich. Sie brauche einen männlichen Begleiter, würde viel zu viel Gepäck mitschleppen und spreche ohnehin nur Englisch. Man solle besser einen Mann schicken. Blys Antwort: „Schickt den Mann – ich starte am selben Tag für eine andere Zeitung und schlage ihn." Der Verleger gab nach. Am 14. November 1889 brach Nellie Bly auf, mit einem einzigen kleinen Handkoffer (gerade einmal 40 x 18 cm). 72 Tage, 6 Stunden und 11 Minuten später war sie zurück – schneller als jeder Mann vor ihr. Sensation! Diese Tuschezeichnung zeigt Nellie Bly mit ebenjenem Handkoffer.

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Selbstportrait

Sisiphus ist eine Frau
(Roxana Panetta)

Ich, die Frau, wie ich an manchen Themen immerzu schwer trage und nie ans Ziel komme, als wäre ich ein Sisiphus.

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Selbstbewusst

Christine de Pizan
(c.1365-1430)

Jung verwitwet mit drei Kindern sah Pizan sich enormen Herausforderungen gegenüber, die sie mutig anging. Sie heiratete nie wieder und widmet sich dem Verfassen von Texten. „Die Stadt der Frauen“ (1405) ist ihr bekanntestes Werk, das die Errungenschaften von Frauen seit der Antike ins Zentrum stellt. Sie hatte viele Bewunderer und Unterstützer – darunter einflussreiche Frauen und Männer an den europäischen Höfen. Bereits zu ihren Lebzeiten gibt es zahlreiche Übersetzungen ihrer Werke.

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Ikone

Gisèle Pelicot
(*1952)

Ihr Gesicht hat sich mir über die Monate der Berichterstattung um den Prozess gegen ihren Mann und 50 weitere männliche Täter eingeprägt. Ihr ruhiger, offener Blick angesichts der entsetzlichen Taten, die im Prozess verhandelt wurden, erstaunt mich immer wieder. Für mich – und viele andere – ist Gisèle Pelicot eine Ikone der Freiheit und Gerechtigkeit.

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