Hidden Championnes
Fußballpionierinnen
Die Anfänge des Frauen-Fußballs gehen zurück ins 19. Jahrhundert: in Schottland findet 1881 das erste dokumentierte Spiel von Fußballerinnen statt
Fußballpionierinnen
1881: Erstes dokumentiertes Tor
Lily St Clair
Edinburgh, 7. Mai 1881: Lily St Clair erzielt das erste dokumentierte Tor der Frauenfußball-Geschichte: Schottland gegen England 3:0. Rund 1.000 Zuschauer verfolgen das Spiel – mit mehr Neugier als Respekt. Der früheste bekannte Beleg dafür, dass Frauen organisiert Fußball spielten.
1891: Sportjournalistin & Fußballkapitänin
Mrs Graham (Helen Matthew)
Hinter dem Pseudonym „Mrs Graham" verbirgt sich Helen Matthew, die vor ihrer Fußballkarriere zusammen mit ihrer Schwester als „Lothian Lassies" als Sportjournalistin und Illustratorin arbeitete. Seit 1891 spielt sie selbst Fußball. 1895 wird Helen von der lokalen Celebrity zu nationaler Bekanntheit katapultiert: Als Mrs Graham führt sie ein eigenes Team im British Ladies Football Club an: Mrs Graham's XI. Sie spielte unter Pseudonym, als Schutz, denn fußballspielende Frauen waren nicht gern gesehen. Mrs Graham alias Helen Matthew war schlagfertig und konfliktbereit — ihre Interviews zeigen eine Frau, die sich öffentlich wehrte und um ihre Sache stritt. Sie war stolz auf die Qualität ihres Teams. Und sie verteidigte den Fußball als gesunde, selbstbestimmte Betätigung für Frauen. Sie bleibt übrigens unverheiratet – anders als ihre Schwester, die nach der Heirat das Fußballspielen aufgibt.
1894: Gründung des British Ladies Football Club
Nettie Honeyball
Ende 1894 gründet Nettie Honeyball in London den British Ladies' Football Club, den ersten organisierten Frauenfußballverein Englands. Ob ihr Name echt war oder ein Pseudonym, war lange umstritten, aber es gibt Hinweise, dass sie wirklich so hieß. Sicher ist: Am 23. März 1895 sehen 10.000 Menschen ihr erstes großes Spiel.
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Erste Fußballvereinspräsidentin
Lady Florence Dixie
Weltreisende, Kriegsberichterstatterin, Schriftstellerin: Lady Florence Dixie übernimmt 1894 aus Überzeugung die Präsidentschaft des British Ladies' Football Club. Für sie ist Fußball Teil eines größeren Kampfes – für Bewegungsfreiheit und Gleichberechtigung der Frau. Ihr Engagement endet 1895 – mit dem vorzeitigen Ende des Clubs.
Frauenteams im Ersten Weltkrieg
Dick, Kerr Ladies (Preston Ladies)
Die DICK, KERR LADIES werden während des Ersten Weltkriegs als Team einer Munitionsfabrik in Presto gegründet. Sie werden das wohl berühmteste englische Frauenteam ihrer Zeit. 1920/21 spielen sie Länderspiele gegen die Französinnen – erst in England, dann in Frankreich. 1922 touren sie sogar durch die USA. 1926 endet die offizielle Zeit als Team der Fabrik: ab dann nennt sich das Team "Preston Ladies" und spielt weiter – bis in die 1960er Jahre.
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1917: Die erste Fußballmannschaft in Frankreich
Thérèse Brulé
Thérèse Brulé gehört 1912 zu den allerersten Mitgliedern des Pariser Frauensportvereins Fémina Sport. Als dort am 30. September 1917 das erste bekannte Frauenfußballspiel Frankreichs ausgetragen wird, führt sie eines der beiden Teams an – der Beginn des französischen Frauenfußballs.
1920: 53.000 Zuschauer sehen bei einem Frauenmatch zu
Lily Parr
Nach den viktorianischen Anfängen wurde es rund zwanzig Jahre still im englischen Frauenfußball. Dann kam der Erste Weltkrieg. Die Männer an die Front, die Frauen in die Fabriken — und dort wurden wieder Frauenteams gegründet. Lily Parr spielte für die Dick, Kerr Ladies, das Team, das am bekanntesten werden wird. Der Krieg endete — aber der Frauenfußball wurde jetzt so richtig populär. 1920 spielten Lily Parr und die Dick, Kerr Ladies vor 53.000 Menschen in Liverpool, eine Menge, die den damaligen Männerfußball in den Schatten stellt. Am 5. Dezember 1921 verbietet der englische Fußballverband dann seinen Mitgliedern, ihre Plätze für Frauenspiele herzugeben: kein Spielverbot, aber eine massive Erschwernis für die Frauenvereine.
1925: Eine französische Teamkapitänin spielt in England
Carmen Pomiès
Die Französin Carmen Pomiès tourt 1922 als Torhüterin mit den englischen Dick, Kerr Ladies durch die USA, wo die Frauen gegen Männerteams spielen. In Washington hält Carmen elf von fünfzehn Bällen, während Lily Parr zwei Tore zum legendären 4:4 gegen das Männerteam beisteuert.
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1930: Der erste deutsche Frauenfußballverein
Lotte Specht
„Weil wir das auch können" – mit diesem Satz gründet Lotte Specht 1930 in Frankfurt den ersten deutschen Frauenfußballverein. Sie hatte vorher eine Annonce in die Frankfurter Nachrichten geschaltet, in der sie Frauen, die Fußball spielen wollen, suchte. 40 meldeten sich und 35 gründeten 1930 den 1. Deutschen Damen Fußballclub, den 1. DDFC. Der gesellschaftliche Gegenwind ist enorm: Schon gut ein Jahr später gibt sie auf und löst den Verein wieder auf.
1932: in Mailand gründet sich das erste Frauenteam Italiens
Marta & Rosa Boccalini
In Mailand gründen die Schwestern Boccalini zusammen mit anderen Frauen 1932 das erste italienische Frauenfußballteam: Gfc Gruppo Feminine di Calcio. Das erste öffentliche Spiel findet am 11. Juni 1933 auf dem Campo Fabio Filzi in Mailand statt. Rosetta "Rosa" (rechts) war sehr talentiert, was auch von der Sportzeitung Gazzetta dello Sport anerkannt wurde, die sie lobend als „Meazza im Rock“ bezeichnete – eine Anspielung auf den damals berühmten Inter-Stürmer Giuseppe Meazza. Die GFC-Mannschaft zog teils über tausend Zuschauer an und trotz des sichtlichen Talents war die Presse ähnlich hämisch wie zuvor in Deutschland. Im italienischen Faschismus wird der Frauenfußball später ganz verboten.
1941: Das vorläufige Ende des französischen Frauenfußballs
27. März 1941: Das französische Vichy-Regime veröffentlicht eine Liste von Sportarten, die für den „weiblichen Körper" als schädlich gelten – Fußball steht darauf. Ein staatliches Verbot beendet damit in Frankreich, was in Deutschland schon zehn Jahre zuvor die Presse geschafft hatte: Frauen vom Rasen zu verdrängen. Fußball galt als unweiblich. In Italien hatte man gar die Sorge, dass Fußballspielen die Fruchtbarkeit zerstören könne.
Sie schoss über 900 Tore
Lily Parr – 30 Jahre Fußballkarriere
Lily Parr war eine Starfußballerin – und gefürchtet für ihren Schuss. Sie war eine progressive Frau, die offen in einer Beziehung mit einer Frau lebte. Trotz des Banns durch den Englischen Fußballverband, der seinen Mitgliedern verbot, ihre Plätze für Frauenspiele freizugeben, was einem Verbot gleichkam, spielten Frauen in England weiter Fußball. Lily Parr sogar bis in die 1950er. In ihren 30 Jahren Fußballkarriere schoss sie über 900 Tore, soviel wie Ronaldo und Messi. 2002 kam sie als erste Frau in die Hall of Fame des Fußballs.