Isotta Nogarola
Philosophin und erste Humanistin
Isotta Nogarola
* 1418 (Verona), † 1466 (Verona)
Als Teenagerin korrespondierte Nogarola mit den bedeutendsten Humanisten ihrer Zeit. Doch als erwachsene Frau wurde sie öffentlich angegriffen – anonym und brutal. Ihre Intelligenz und Keuschheit wurden in Frage gestellt. Ihre Schwester Ginevra heiratete 1438 und gab ihre intellektuelle Arbeit auf. Isotta zog daraus Konsequenzen: Sie blieb unverheiratet und zog sich in ihre "buchgesäumte Zelle" – die Bibliothek im Haus ihrer Mutter. Dort studierte sie Theologie und Philosophie. Ihr berühmtester Text fragt: War Eva oder Adam schuld an der Erbsünde?
Das Portrait zeigt sie im klassischen Renaissance-Profil. Durch das Fenster fliegen gefaltete Blätter, Symbole ihrer Gedankenfreiheit, die keine Mauern kennt.
"Isotta Nogarola musste ihr Frausein aufgeben, um als Gelehrte im Kreis von Männern akzeptieren zu sein. In meinem Portrait von ihr zeige ich sie als potenzielle Braut, die nur in der Abgeschiedenheit einer Zelle frei sein kann." –Roxana Panetta
Zum Portrait
Isotta schaut nicht nach rechts, wie bei Renaissance-Hochzeitsportraits üblich. Denn ihr gegenüber wartet kein Ehemann. Sie befindet sich in einem geschlossenen Raum. Nur ein Fenster erlaubt ihren Gedanken – in Briefform – frei zu fliegen.
Das Portrait verbindet das typische Renaissance-Hochzeitsportrait einer noblen Frau mit Isotta Nogarolas Entscheidung: lieber frei in einer Zelle als unfrei in einer Ehe.
Um zu den Gelehrten zu gehören, müsse sie ihr Frausein ablegen – sagen die Männer
Von Isotta Nogarola gibt es einige posthume Porträts, die sie stets wie eine Nonne gekleidet zeigen. In einer Buchmalerei ist sie von Büchern umgeben: es zeigt sie in der "büchergesäumten Zelle", in die sie sich freiwillig begeben hatte (im Haus ihrer Mutter, wohlgemerkt, nicht in einem Kloster). Andere Darstellungen zeigen sie schlicht im Profil, mit Kopftuch, ohne weitere Attribute – wie eine Nonne.
Diese Darstellungen verschweigen, dass Isotta Nogarola sich gar nicht als Nonne verstand, sondern ein Leben mit Studium und Philosophie führen wollte – ganz wie die gelehrten Männer. Ich zeige sie in meiner Interpretation daher explizit als junge schöne Frau, die wie für ein Hochzeitsportrait, wie es damals üblich war, im Profil posiert.
In meinem Portrait steht ihr beides zu: Frau und Gelehrte sein
Sie trägt eine verzierte Gamurra, das Gewand der Zeit, und die Haare sind hochgesteckt – sie ist keine Nonne, sie ist eine Frau aus nobler Familie. In meinem Porträt muss sie nicht wie eine Nonne aussehen, um als Gelehrte ernst genommen zu werden.
Üblicherweise würde ihr Blick nach rechts gehen – zum Pendant-Porträt des Ehemanns. Stattdessen schaut sie zur Seite, zu uns. Ein prüfender Blick.
Frei … in der Abgeschiedenheit
Durch das offene Fenster fliegen gefaltete Briefe frei umher. Es ist die Freiheit ihrer Gedanken, die sie nur in diesem geschlossenen Raum ausleben darf. Sie darf frei denken, solange sie sich nicht frei bewegt – die Bitterkeit ihrer Lebensrealität schwingt hier mit.